Sprechapraxie - Störungsbilder - Praxis für Logopädie Surmann Berlin (Pankow)

Störung des Sprechens nach Hirnschädigung - Sprechapraxie

 

Definition

Bei einer Sprechapraxie liegt eine Störung der Steuerung und Ausführung der Sprechbewegung vor. Die Programmierung der einzelnen Sprechbewegungen ist gestört, so dass der Betroffenen seine Sprachabsichten artikulatorisch nicht oder nur eingeschränkt ausführen kann. Er weiß was er sagen möchte, ist aber nicht in der Lage die Ziellaute und Zielwörter zu artikulieren. Es können Störungen der Aussprache der Betonung, des Sprechtempos und des Redeflusses auftreten. Auch Suchbewegungen und hohe Sprechanstrengungen sind häufig zu beobachten. Die Ausprägung der Schwierigkeiten können variieren, sie treten nicht kontinuierlich und nicht immer in gleicher Form auf.

Ursachen

Die häufigsten Ursachen sind:

  • “Schlaganfall” (Apoplex) durch eine Mangeldurchblutung oder durch den Verschluss einer Arterie (Ischämie)
  • Hirnblutung (hämoragischer Insult)
  • Schädelhirntrauma
  • Hirntumore
  • Hirnoperationen
  • Entzündliche Hirnerkrankungen (z.B. Enzepahlitis)
  • Neurologische Erkrankungen wie Morbus Parkinson, Multiple Sklerose, Amyothrophe Lateralssklerose
Geschehen in der Therapie

Was geschieht in der Therapie?

  • Untersuchung: Es erfolgt ein ausführliches Erstgespräch (Anamnese) mit dem Patienten und den Angehörigen. Danach erfolgt die Befunderhebung, in der einzelne Sprechbewegungen sowie die Artikulation in Silben, Wörter, Sätzen und im Gespräch beurteilt werden. Auch die anderen sprachlichen Bereiche (Sprachverständnis, Wortfindung, Satzbildung, Dialogverhalten, Lesen und Schreiben) werden erfasst.
  • Therapie: Die Therapie enthält je nach Störungsbild individuell zusammengestellte Übungen. Je nach Ausprägung der Störung werden die artikualtorischen Einzelbewegungen zunächst isoliert und danach im sprachlichen Kontext geübt. Hierbei werden gezielte und intensive Hilfestellungen gegeben.
  • Beratung: Die Beratung beinhaltet die Aufklärung über Ursachen, Auswirkungen und Ziele der Therapie. Es werden gezielte Hilfestellungen für den Umgang mit der Störung im Alltag gegeben und Kommunikationsstrategien entwickelt. Auch die Angehörigen werden selbstverständlich beraten und in die Therapie mit einbezogen. Es werden auch Gespräche über den Therapieverlauf und zur Krankheitsverarbeitung geführt.
  • Ziel: Ziel ist die Verbesserung der Kommunikation im Alltag durch die Reorganisation der willkürlichen Sprechbewegungen. Der Patient soll artikulatorische Zielpositionen wieder einnehmen und Sprechbewegungen bewusst abrufen und koordinieren können. Der Sprechfluss soll hierbei verbessert werden. Auch die Anpassung der Umwelt an den Patienten ist erforderlich, der Patient soll wieder die größtmögliche sprachliche Selbstständigkeit im Alltag erlangen. Eine Sprechstörung kann nicht „geheilt” werden, durch die logopädische Therapie kann aber eine Verbesserung und ein besserer Umgang mit der Störung erzielt werden. Die Ziele sind je nach Ausprägung der Störung sehr verschieden.
  • Interdisziplinärer Austausch: Die Zusammenarbeit und der fachliche Austausch mit z.B. Ärzten, Ergotherapeutern, Physiotherapeuten, Psychologen ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der Therapie.
Leitsymptome einer Sprechapraxie

Die Leitsymptome der Sprechapraxie sind…

  • Störung der Lautbildung: Es können einzelne Laute und/ oder Lautkombinationen isoliert, in Wörtern, in Sätzen oder im Gespräch nicht oder nur fehlerhaft gebildet werden. Die bewusste Bewegung des Kiefers, der Zungen, der Lippen und/ oder des Gaumensegels sind gestört. Der Patient kann die Laute nicht willkürlich bilden, obwohl er weiß, welche Buchstaben er sprechen müsste. Es kann zu Lautersetzungen, Lautentstellungen oder zu artikulatorischen Überschussbewegungen kommen. Die Lautfehlbildungen treten nicht immer auf und variieren in ihrer Intensität.
  • Störung der Prosodie und des Redeflusses: Das Sprechtempo kann deutlich reduziert sein. Es kann zu Wiederholungen von Lauten und Silben kommen. (Iterationen, Perserverationen, Sprachautomatismen). Der Sprechrhythmus kann durch skandiertes („abgehacktes”) Sprechen, durch eine fehlerhafte Betonung und/ oder durch veränderte Sprechpausen gestört sein. Es können Störungen der willkürlichen Stimmgebung auftreten, wenn die Steuerung der Kehlkopfmuskulatur ebenfalls beeinträchtig ist.
  • Störung des Sprechverhaltens: Es können sicht- und hörbare Sprechanstrengungen auftreten. Die Betroffenen bemerken ihre Fehler und brechen zum Teil ihr Sprechvorhaben ab. Längere und komplexere Wörter und Sätze zeigen häufig stärkere Fehlbildungen, so dass der Betroffene diese häufig vermeidet.
Mögliche parallel auftretende Störungen

Neben der Sprechapraxie können weitere Störungen parallel auftreten:

Es können Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schluckstörungen auftreten. Diese Störungen werden in der Diagnostik ebenfalls erfasst. Je nach schwere der Symptome wird entschieden, welche Störung im Mittelpunkt der logopädischen Therapie steht. Häufig behandelt der Logopäde mehrere Störungen parallel.

Zu diesen Störungen zählen:

Es können auch nicht-sprachliche Symptome auftreten.

Es können weitere gesamtkörperliche Störungen auftreten. Diese werden in der lopgopädischen Therapie berücksichtigt, aber durch andere Fachrichtungen therapiert.

Zu diesen Störungen zählen:

  • Halbseitenlähmung komplett, inkomplett (= Hemipraese)
  • Halbseitenvernachlässigung (= Neglect)
  • gestörte Handlungsfolgen(= Apraxie/ Dyspraxie)
  • Gedächtnisstörung (= Amnesie)
  • Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen
  • Wahrnehmungsstörungen
  • gestörte Objekterkennung (= Agnosie)
  • Rechenstörung (= Dyskalkulie)
  • Epilepsie

 

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